Eine Drucksache nach Japan mit Rätseln

(Paul-Jürgen Hueske und Tobias Weh)

Vor einiger Zeit ist mir ein Luftpostbeleg in die Hände gefallen, der mich neugierig machte. Es handelt sich um einen Umschlag aus Oberursel, der als Drucksache und per Luftpost nach „Akahi“ in Japan geschickt wurde, mit verschiedenen Ungereimtheiten. Offensichtlich wurde der Umschlag mit zwei Briefmarken freigemacht, wobei nur noch eine 10- Pfg-Marke auf dem Beleg vorhanden ist!

Erkennbar ist: Die 10-Pfg-Marke, die am 19.-4.88 -13 in

Oberursel gestempelt ist und eine zweite Marke, die

offensichtlich nicht richtig aufgeklebt war, fehlt ( !? ).

Auf der Rückseite ist der Stempel aus

„AKASHI / HYGO / -3.V.88 12-18“ angebracht.

Auf der Vorderseite sind verschiedene rote Stempel vorhanden. Den Stempel den ich lesen und deuten kann, ist der Rechteckstempel „RETURN TO SENDER / INSUFFICIENT ADDRESS“ (was bedeutet, zurück an den Absender / unrichtige Adresse). Neben der durchgeixten Adresse steht ein roter, senkrechter Stempel mit zwei kleinen roten runden Stempeln, die ich nicht deuten kann.

Hier hat Tobias Weh mit seinen japanischen Sprachkenntnissen weiter- geholfen:

あて名不完全で配達できません atena fukanzen de haitatsu dekimasen – Wegen unvollständiger Adresse ist die Zustellung nicht möglich.

明石 Akashi – Name der Stadt.

Die zwei kleineren Kreisstempel sind Schriftzeichen, 近藤 Kondo ist ein japanischer Namensstempel (Hanko) des Postangestellten. Bei der angegebenen Adresse „J Akashi 673 handelt es sich um den Namen der Stadt in der Hyogo Präfektur. J bedeutet Japan und die Zahl 673 ist die Postleitzahl.

Die Zeile „181-1-302 Mariguchi“ ist wie folgt aufgebaut: Es gibt keine Straßennamen, sondern es wird in immer kleinere Sektionen aufgeteilt. Also von der Präfektur Hyogo zur Stadt Kashi und dort dann in den Bezirk „181„, in diesem Bezirk gibt es wieder eine Untersektion „1“ und in dieser ist es die Hausnummer „302„. Speziell auf diese Anschrift bezogen, existiert diese Nummernkette in Akashi. Die Bezeichnung „Mariguchi“ ist theoretisch gleichbedeutend, weil es nur der Name des Bezirks ist, allerdings hat der zu dieser Nummernkette passende Bezirk – zumindest heute – einen anderen Namen.

Dass der Brief nicht angekommen ist, kann mehrere Gründe haben. Es kann sein, dass „Mariguchi“ tatsächlich falsch war und der Postbeamte gar nicht auf die (korrekte) Zahlenfolge geschaut hat.

Eventuell war die örtliche Post auch überfordert mit der Schreibweise oder hatte keine Lust, Namen und Bezirksbezeichnung wieder ins Japanische zu übersetzen (umsetzen in die japanischen Schriftzeichen). Die korrekte, japanische Anschrift würde heute so aussehen:

673-0863 (die Postleitzahlen wurden am 2.2.1998 um vier Stellen erweitert) 兵庫県 明石市 大蔵谷狩口181-1-302 小川 成史

Die Erklärung lautet:

兵庫県 (Hyougoken – Präfektur Hyogo)
明石市 (Akashishi – Stadt Akashi)
大蔵谷狩口 (Ookuradanikariguchi – Bezirk in Akashi)
小川 成史 (Ogawa Seishi)

So ganz macht es keinen Sinn, weshalb die Anschrift angeblich unvollständig ist, denn zum einem ist der Brief ja bis Akashi gekommen und dort reicht theoretisch die Angabe 181-1-302 zur Zustellung aus. Die Adresse existiert heute noch in Akashi, wie die Nachforschung von Tobias ergeben hat. Soweit zu dem japanischen Teil der Stempel und Schriftzeichen mit den Angaben auf dem Brief.

Betrachten wir uns den Umschlag weiter, so können wir feststellen, dass der Briefumschlag, trotz verloren gegangener Briefmarke, in Hamburg 3 (dem Luftpostamt) am 24.6.88 -22 eingegangen und mit dem Maschinenstempel (Schreib mal wieder..) als Ankunftsstempel in Deutschland gestempelt wurde. Vermutlich wurde der Brief dann dem Absender in Oberursel zugestellt, obwohl keine weiteren Hinweise erkennbar sind. Der Brief war von der Auflieferung in Oberursel am 19.04.1988 über Japan bis zur Ankunft in Hamburg am 24.06.1988 unterwegs.


Über das eigentliche, erforderliche Porto für eine Drucksache nach
Japan, kann ich leider keine Aussage treffen, da mir die Portotabellen
aus dieser Zeit fehlen.